Kriminalität in der Schweiz sinkt, schwere Gewalt nimmt weiter zu
- Die Gesamtzahl der Straftaten sank 2025 um 1,5 Prozent.
- Schwere Gewaltstraftaten nahmen dagegen um 8,1 Prozent auf 2654 Fälle zu.
- Das Sicherheitsgefühl unterscheidet sich je nach Ort und deckt sich nicht automatisch mit der Kriminalitätsstatistik.
Die Kriminalität in der Schweiz entwickelte sich 2025 in zwei unterschiedliche Richtungen. Insgesamt registrierte die Polizei weniger Straftaten als im Vorjahr. Auch langfristig liegt die Kriminalität gemessen an der Bevölkerung deutlich unter dem Niveau von 2009. Gleichzeitig stieg die Zahl der schweren Gewaltstraftaten das zweite Jahr in Folge deutlich. Diese Entwicklungen widersprechen sich nicht, zeigen aber, weshalb die Sicherheitslage nicht mit einer einzigen Zahl beschrieben werden kann.
Insgesamt wurden weniger Straftaten registriert
Die polizeiliche Kriminalstatistik des Bundesamts für Statistik zeigt für 2025 zunächst einen Rückgang. Die Gesamtzahl der registrierten Straftaten sank gegenüber dem Vorjahr um 1,5 Prozent.
Auch die Vermögensdelikte gingen zurück. Ihre Zahl sank 2025 um 3,5 Prozent.
Noch deutlicher wird die Entwicklung beim langfristigen Vergleich mit der Bevölkerungszahl. 2009 kamen in der Schweiz rund 72 registrierte Straftaten auf 1000 Einwohnerinnen und Einwohner. 2025 waren es noch 61.
Damit liegt die registrierte Kriminalität im Verhältnis zur Bevölkerung deutlich tiefer als vor 16 Jahren. Die Entwicklung einzelner Deliktsbereiche kann allerdings erheblich von diesem Gesamtbild abweichen.
Das zeigt sich unter anderem bei den Einbruchdiebstählen. 2025 registrierte die Polizei 34’755 Fälle. Das waren 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr.
Wer nur diesen Jahresvergleich betrachtet, sieht also einen Anstieg. Im längerfristigen Vergleich ergibt sich dagegen ein anderes Bild: Gegenüber dem Höchststand von 2012 liegt die Zahl der Einbruchdiebstähle mehr als 50 Prozent tiefer.
Die Zahlen zeigen damit bereits innerhalb eines einzelnen Delikts, wie stark die Einordnung vom gewählten Zeitraum abhängen kann.
Schwere Gewalt steigt das zweite Jahr in Folge
Anders als die Gesamtkriminalität entwickelten sich die schweren Gewaltstraftaten. 2025 registrierte die Polizei 2654 Fälle. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg um 8,1 Prozent.
Es handelt sich nicht um den ersten deutlichen Anstieg innerhalb eines Jahres. Bereits 2024 hatten die schweren Gewaltstraftaten um 19,4 Prozent zugenommen.
Damit stehen sich zwei Entwicklungen gegenüber: Die Gesamtzahl der Straftaten sank 2025 und liegt gemessen an der Bevölkerung langfristig deutlich unter dem Niveau von 2009. Gleichzeitig nahm die schwere Gewalt innerhalb der vergangenen beiden Jahre deutlich zu.
55 vollendete Tötungsdelikte im Jahr 2025
Zu den schwersten registrierten Straftaten gehören vollendete Tötungsdelikte. 2025 wurden in der Schweiz 55 solcher Fälle registriert.
Ein grosser Teil davon ereignete sich nicht im öffentlichen Raum. 61,8 Prozent der vollendeten Tötungsdelikte geschahen im häuslichen Bereich.
Auch bei der Verteilung nach Geschlecht zeigen die Zahlen deutliche Unterschiede. Über 58 Prozent der Opfer der vollendeten Tötungsdelikte waren Frauen. Betrachtet man ausschliesslich die Tötungsdelikte im häuslichen Bereich, lag der Frauenanteil bei knapp drei Vierteln.

Diese Zahlen sind auch für die Einordnung des Sicherheitsgefühls relevant. Eine Zunahme schwerer Gewalt lässt sich nicht automatisch mit einer Zunahme von Gewalt im öffentlichen Raum gleichsetzen. Ein erheblicher Anteil der schwersten Gewaltdelikte findet im häuslichen Umfeld statt.
Damit beschreiben die polizeiliche Statistik und das persönliche Sicherheitsgefühl zwei unterschiedliche Ebenen. Die Statistik erfasst registrierte Straftaten. Das Sicherheitsgefühl beschreibt dagegen, wie Menschen bestimmte Situationen und Orte wahrnehmen.
Im Zug fühlen sich 94 Prozent sicher
Wie stark der Ort die Wahrnehmung beeinflussen kann, zeigt eine Studie der Hochschule Luzern zum Sicherheitsgefühl im öffentlichen Verkehr.

94 Prozent der Befragten gaben an, sich im Zug sicher zu fühlen. Am Abfahrtsbahnhof waren es 90 Prozent. Am Ankunftsbahnhof sank der Anteil auf 87 Prozent.
Die Werte zeigen zunächst ein insgesamt hohes Sicherheitsgefühl. Gleichzeitig verändert sich die Einschätzung innerhalb derselben Reise. Am Ankunftsbahnhof fühlen sich weniger Menschen sicher als im Zug.
Damit lässt sich das Sicherheitsgefühl nicht allein aus der landesweiten Kriminalitätsentwicklung ableiten. Auch die konkrete Umgebung spielt eine Rolle.
Die Studie der Hochschule Luzern weist zudem auf einen weiteren Faktor hin. Sie hält fest, dass die mediale Darstellung von Personengruppen ein Bild von Tätern und Opfern erzeugt, das sich nur ansatzweise in der Realität wiederfindet.
Die Wahrnehmung von Kriminalität entsteht somit nicht ausschliesslich durch die Zahl registrierter Straftaten. Auch der Ort und die Darstellung von Kriminalität können beeinflussen, wie Menschen ihre Sicherheit beurteilen.
Die Zahlen beantworten deshalb nicht die Frage, ob sich jemand abends auf einem Perron sicher fühlt. Sie zeigen, welche Straftaten die Polizei registriert hat. Beides gehört zur Sicherheitslage, aber es ist nicht dasselbe.
Wer von häuslicher Gewalt betroffen ist oder eine betroffene Person unterstützen möchte, kann sich an eine kantonale Opferberatungsstelle oder eine Fachstelle für häusliche Gewalt wenden.



