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Glauben in Gefahr: Wenn Schweizer Kirchen für verfolgte Christen rot leuchten

Marco Baumann
von
Marco Baumann
14.09.2026
Notre-Dame in Paris während der RED WEEK in rotem Licht
RED WEEK 2025 in Paris: Notre-Dame in rotem Licht. Bild: KIRCHE IN NOT
Darum gehts
  • 413 Millionen Christen leben laut KIRCHE IN NOT in Ländern mit schwerwiegenden Verletzungen der Religionsfreiheit.
  • Nigeria, Pakistan und Indien zeigen unterschiedliche Formen von Verfolgung und Diskriminierung.
  • Mit der REDWEEK und einer kostenlosen Wanderausstellung macht das Hilfswerk das Thema auch in der Schweiz sichtbar.

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Vom 14. bis 22. November 2026 werden Kirchen in der Schweiz rot beleuchtet. Mit der REDWEEK erinnert KIRCHE IN NOT (ACN) Schweiz an Christinnen und Christen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Im vergangenen Jahr beteiligten sich nach Angaben des Hilfswerks rund 200 Pfarreien in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein. Hinter der sichtbaren Aktion stehen Lebensgeschichten aus Ländern, in denen Religionsfreiheit schwerwiegend verletzt wird.

413 Millionen Christen leben mit schwerwiegenden Verletzungen der Religionsfreiheit

Die roten Kirchen in der Schweiz stehen für eine Situation, die weit über einzelne Länder hinausreicht. Nach Angaben von KIRCHE IN NOT leben weltweit 413 Millionen Christen in Ländern, in denen die Religionsfreiheit schwerwiegend verletzt wird. Rund 220 Millionen von ihnen sind direkt Verfolgung ausgesetzt.

Hinter diesen Zahlen stehen sehr unterschiedliche Situationen. KIRCHE IN NOT verzichtet ausdrücklich darauf, daraus eine Rangliste der betroffenen Länder zu erstellen. Die verschiedenen Formen der Verfolgung liessen sich nicht miteinander vergleichen.

Nigeria, Pakistan und Indien stehen deshalb nicht für eine Reihenfolge nach Schwere oder Ausmass. Die drei Länder zeigen vielmehr, wie unterschiedlich sich die Situation christlicher Minderheiten nach Angaben des Hilfswerks darstellen kann.

Christenverfolgung zeigt sich in Nigeria durch Entführungen und Gewalt

In Nigeria sind Christen nach Angaben von KIRCHE IN NOT regelmässig von Entführungen, Mord und Gewalt betroffen. Besonders angespannt ist die Situation in den nördlichen und zentralen Regionen des Landes.

Menschen in Nigeria nach gewaltsamen Angriffen
Opfer und Vertriebene nach Angriffen der Fulani. Bild: KIRCHE IN NOT

Das Hilfswerk nennt extremistische Gruppen wie Boko Haram, ISWAP und radikale Fulani-Milizen als zentrale Akteure der Gewalt. KIRCHE IN NOT verweist zudem auf Angaben der Organisation Open Doors, wonach 2025 in Nigeria mehr Christen getötet wurden als in allen anderen Ländern der Welt zusammen.

Eines der vom Hilfswerk dokumentierten Schicksale ist jenes von Andrew Peter. Der 21-jährige Seminarist wurde im März 2025 entführt. Zehn Tage später wurde er ermordet.

Der Fall steht nach Angaben von KIRCHE IN NOT nicht allein. In den vergangenen zehn Jahren wurden in Nigeria 145 Priester und Seminaristen entführt. Elf von ihnen wurden getötet, vier gelten weiterhin als vermisst.

Das Hilfswerk unterstützt in Nigeria Menschen, die von Entführungen und Gewalt betroffen sind. Flüchtlinge erhalten unter anderem Nahrungsmittel, medizinische Versorgung und psychologische Hilfe. Zudem stellt KIRCHE IN NOT Mittel für den Wiederaufbau zerstörter Kirchen bereit.

Pakistan: Wenn ein Vorwurf das Leben verändert

In Pakistan stehen die Blasphemiegesetze im Zentrum der Arbeit von KIRCHE IN NOT. Nach Angaben des Hilfswerks sehen sie für eine vermeintliche Beleidigung des Islams oder des Propheten Mohammed harte Strafen vor. Diese reichen bis zu lebenslanger Haft oder zur Todesstrafe.

Erzbischof Joseph Arshad bei einem Besuch in Jaranwala in Pakistan
Erzbischof Joseph Arshad nach den Ausschreitungen in Jaranwala. Bild: KIRCHE IN NOT

KIRCHE IN NOT berichtet, dass die Gesetze häufig missbraucht würden, um persönliche Konflikte auszutragen. Welche Folgen ein solcher Vorwurf haben kann, zeigt der Fall von Shagufta Kausar.

Sie wurde 2014 beschuldigt, beleidigende SMS verschickt zu haben. Nach Angaben des Hilfswerks besass sie jedoch kein Mobiltelefon. Kausar und ihr Ehemann Shafqat Emmanuel Masih wurden zum Tode verurteilt.

Nach Angaben des Hilfswerks wurden sie bei ihrem Rechtsverfahren von KIRCHE IN NOT unterstützt. Nach acht Jahren Haft wurden beide freigesprochen.

Auch ausserhalb von Gerichtsverfahren kommt es nach Angaben des Hilfswerks zu Gewalt gegen Christen. Im August 2023 ereigneten sich in der Stadt Jaranwala antichristliche Ausschreitungen. Ein Mob verwüstete Kirchen und zerstörte Wohnhäuser.

KIRCHE IN NOT finanziert in Pakistan unter anderem Rechtsbeistand für Christen, die nach Angaben des Hilfswerks fälschlicherweise der Blasphemie beschuldigt werden. Daneben leistet die Organisation Nothilfe.

Indien: Christliche Minderheiten unter Druck

Ein anderes Bild beschreibt KIRCHE IN NOT für Indien. Dort nehmen die Angriffe auf die christliche Minderheit nach Angaben des Hilfswerks vor dem Hintergrund eines wachsenden Hindunationalismus zu.

Mann in Indien mit erhobenen Händen und Blick zum Himmel
Ein Mann fleht den Himmel an. Bild: KIRCHE IN NOT

Besonders betroffen seien Adivasi, eine indigene Bevölkerungsgruppe, sowie christliche Dalits. Dalits gehören zur untersten Schicht des traditionellen Kastensystems.

Auch hier beschränkt sich die Unterstützung nicht auf eine einzelne Form der Hilfe. KIRCHE IN NOT unterstützt in Indien den Wiederaufbau von Kirchen und fördert Bildungsangebote für benachteiligte Gruppen. Zudem engagiert sich das Hilfswerk im interreligiösen Dialog für Frieden.

Die Beispiele aus Nigeria, Pakistan und Indien unterscheiden sich deutlich. Genau deshalb stellt KIRCHE IN NOT sie nicht in eine Rangfolge. Gewalt, Entführungen, rechtliche Verfolgung und gesellschaftlicher Druck lassen sich nach Auffassung des Hilfswerks nicht über eine gemeinsame Skala miteinander vergleichen.

REDWEEK bringt das Thema in die Schweiz

Vom 14. bis 22. November 2026 wird die Situation verfolgter Christen auch in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein sichtbar. An der REDWEEK beteiligen sich Pfarreien, Klöster, Gebetsgruppen und Privatpersonen.

Das auffälligste Zeichen sind rot beleuchtete Kirchen. Die Farbe Rot erinnert an Menschen, die wegen ihres christlichen Glaubens verfolgt werden. Begleitet werden die Beleuchtungen von Gebeten und Vorträgen. KIRCHE IN NOT stellt dafür Material für Gebete und Gottesdienste bereit.

Wie breit die Aktion getragen werden kann, zeigte die REDWEEK im vergangenen Jahr. Rund 200 Pfarreien in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein beteiligten sich nach Angaben des Hilfswerks.

Die REDWEEK 2026 findet vom 14. bis 22. November statt. Informationen zur Aktion und zu den Möglichkeiten einer Teilnahme stellt KIRCHE IN NOT Schweiz bereit.

Eine Ausstellung für Pfarreien, Schulen und Gemeinden

Neben der REDWEEK bietet KIRCHE IN NOT eine weitere Möglichkeit, das Thema in der Schweiz aufzugreifen. Die Wanderausstellung «Verfolgte Christen weltweit» kann von Pfarreien, Schulen, Klöstern, Gemeinden und anderen Organisationen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein genutzt werden.

Das Hilfswerk stellt die Wanderausstellung kostenlos zur Verfügung. Damit können Organisationen das Thema unabhängig von der Aktionswoche im November aufgreifen und vor Ort zugänglich machen.

Weitere Informationen zur Wanderausstellung und zur Arbeit des Hilfswerks finden sich bei KIRCHE IN NOT Schweiz.

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