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Neue US-Zölle für die Schweiz: Warum 12,5 Prozent nicht das eigentliche Problem sind

Adrian Steiner
von
Adrian Steiner
10.08.2026
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Seit dem 24. Juli 2026 gilt für Schweizer Waren in den USA ein Zusatzzoll von 12,5 Prozent.
Darum gehts
  • Seit dem 24. Juli 2026 gilt ein US-Zusatzzoll von 12,5 Prozent auf die meisten Schweizer Importe.
  • Damit steht die Schweiz schlechter da als die EU, die nur 10 Prozent zahlt.
  • Für die Wirtschaft wiegt die anhaltende Unsicherheit schwerer als der Zollsatz selbst.

Die neuen US-Zölle für die Schweiz beschäftigen seit dem 24. Juli 2026 Unternehmen und Politik. Die Zahl klingt happig, doch in der Wirtschaft sorgt weniger die Höhe für Kopfzerbrechen als etwas anderes: die Ungewissheit, wie es weitergeht. Denn ein verbindliches Abkommen gibt es bis heute nicht, und die nächste Untersuchung aus Washington läuft bereits.

US-Zölle Schweiz: Was seit dem 24. Juli gilt

Seit Freitag, dem 24. Juli 2026, erhebt die US-Regierung einen Zusatzzoll von 12,5 Prozent auf die meisten Schweizer Importe. Das Weisse Haus kündigte neue Zölle zwischen 10 und 12,5 Prozent gegen rund 60 Handelspartner an, darunter auch die Schweiz.

Washington begründet den Schritt damit, dass die betroffenen Länder nach Ansicht der US-Regierung nicht ausreichend gegen Importe von Gütern aus Zwangsarbeit vorgehen. Die neuen Abgaben stützen sich auf Section 301 des US-Handelsrechts.

Für viele Produkte gilt dabei nicht einfach ein zusätzlicher Zoll von 12,5 Prozent. Bereits bestehende Meistbegünstigungszölle, sogenannte MFN-Zölle, werden angerechnet. Liegt der MFN-Zoll eines Produkts beispielsweise bei 5 Prozent, beträgt der zusätzliche Section-301-Zoll noch 7,5 Prozent.

Nicht betroffen sind Waren, die bereits unter andere US-Zollregelungen fallen. Dazu gehören unter anderem Stahl, Aluminium sowie Öl und Gas.

Wie es zu den 12,5 Prozent kam

Der Weg zu den heute geltenden Zöllen begann bereits Monate zuvor. Nachdem Donald Trump im Februar vor dem Obersten US-Gericht eine Niederlage erlitten hatte, führte seine Regierung gestützt auf Paragraf 122 des Handelsgesetzes von 1974 kurzfristig globale Zusatzzölle von 10 Prozent ein. Diese Bestimmung erlaubt Abgaben von höchstens 15 Prozent während maximal 150 Tagen.

Diese Frist endete am 24. Juli 2026. Gleichzeitig traten die neuen Section-301-Zölle in Kraft und ersetzten die bisherige Übergangslösung.

Zwischenzeitlich hatte der Schweiz sogar ein Strafzoll von 39 Prozent gedroht. Im Vergleich dazu stellen die nun geltenden 12,5 Prozent für viele Unternehmen eine deutliche Entspannung dar, auch wenn die Belastung höher bleibt als bei mehreren wichtigen Handelspartnern.

Wer besser und wer schlechter fährt

Für die Europäische Union, Grossbritannien, Kanada, Mexiko und Taiwan gilt derzeit ein Zusatzzoll von 10 Prozent. Schweizer Exporteure stehen damit gegenüber direkten Konkurrenten aus der EU schlechter da.

Schweizer Armbanduhr als Symbol der Exportwirtschaft
Die Schweizer Uhrenindustrie gehört zu den Branchen, welche die Entwicklung der US-Zölle genau verfolgen.

Gleichzeitig fällt die Einordnung differenzierter aus. Weil bestehende MFN-Zölle angerechnet werden, ist die Schweiz nach Angaben des Wirtschaftsdepartements gegenüber zahlreichen anderen Ländern weiterhin besser gestellt.

Laut dem Seco bleiben die Handelsbeziehungen zwischen der Schweiz und den USA trotz der aktuellen Zollentwicklung von grosser wirtschaftlicher Bedeutung.

Auch innerhalb der Schweizer Wirtschaft fallen die Reaktionen unterschiedlich aus. Die Uhrenindustrie zeigte sich vergleichsweise gelassen. Verbandspräsident Yves Bugmann erklärte, dass der aktuelle Zollsatz für Uhren mit 12,5 Prozent der tiefste seit April 2025 sei.

Warum die Unsicherheit das eigentliche Problem ist

Für zahlreiche Unternehmen steht inzwischen weniger der aktuelle Zollsatz im Vordergrund als die Frage, wie lange er überhaupt gilt. Mehrere Ökonomen und Branchenverbände weisen darauf hin, dass sich Investitionen und Lieferverträge deutlich schwieriger planen lassen, solange die handelspolitische Lage offen bleibt.

Die Unsicherheit endet mit den 12,5 Prozent nicht. Die USA führen bereits eine zweite Untersuchung durch. Dabei wird geprüft, ob einzelne Länder mit unfairen Mitteln industrielle Überkapazitäten schaffen und dadurch US-Unternehmen mit besonders günstigen Exporten konkurrenzieren. Insgesamt stehen 16 Handelspartner im Fokus, darunter auch die Schweiz.

Solange diese Untersuchung läuft, bleibt offen, ob weitere Massnahmen folgen. Unternehmen wissen deshalb nicht, ob der heutige Zollsatz Bestand haben wird oder erneut angepasst wird.

Nach Angaben aus der Maschinenindustrie wirkte sich diese Unsicherheit bereits im zweiten Quartal auf die Exportentwicklung aus. Rückläufige Ausfuhren und zurückhaltende Bestellungen aus den USA werden unter anderem auf die unklare Handelspolitik zurückgeführt.

Der Verband Angestellte Schweiz fordert deshalb einen stärkeren Schutz der Beschäftigten in der Maschinen, Elektro, Medizinaltechnik und Zulieferindustrie. Die anhaltende Unsicherheit belaste die Unternehmen und könne Arbeitsplätze gefährden.

Swissmem setzt den Schwerpunkt anders. Der Branchenverband verlangt gezielten Bürokratieabbau sowie neue Freihandelsabkommen, damit Schweizer Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit auch unter schwierigeren Rahmenbedingungen erhalten können.

Die politische Debatte in der Schweiz

Die politischen Reaktionen auf die neuen US-Zölle fallen unterschiedlich aus. Economiesuisse bezeichnete den Entscheid als weder nachvollziehbar noch gerechtfertigt. Aus Sicht des Wirtschaftsdachverbands werden Schweizer Unternehmen gegenüber Wettbewerbern aus Ländern mit tieferen Zollansätzen benachteiligt.

Bundeshaus Bern als Sitz der Schweizer Bundespolitik
Der Bundesrat führt die Gespräche mit den USA weiter, während in der Schweiz über das Vorgehen diskutiert wird.

Die Grünen verlangen mehr Transparenz über die laufenden Gespräche mit den USA. Parteipräsidentin Lisa Mazzone fordert, dass der Bundesrat nicht im Hinterzimmer verhandle und ein mögliches Abkommen dem Parlament sowie dem Referendum zugänglich gemacht werde.

Aus Bundesbern sind gleichzeitig zurückhaltendere Töne zu hören. Dort wird darauf verwiesen, dass sich mit der aktuellen Situation arbeiten lasse. Eine feste Frist für den Abschluss der Verhandlungen besteht nicht mehr. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass selbst ein formelles Abkommen mit der aktuellen US-Regierung keine Garantie für langfristige Stabilität bieten würde.

Die Schweiz hält dennoch an ihrem Ziel fest, mit den Vereinigten Staaten ein rechtsverbindliches Handelsabkommen abzuschliessen.

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