Alle 18 Sekunden eine Messe: Die stille Tradition, die Priester am Leben hält
- Ein Mess-Stipendium ist eine freiwillige Gabe, für die ein Priester eine Messe in einem persönlichen Anliegen feiert.
- In vielen armen Ländern sind solche Gaben für Priester oft die einzige Einkommensquelle.
- KIRCHE IN NOT werden jährlich rund 1,5 Millionen Mess-Stipendien anvertraut.
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Irgendwo auf der Welt beginnt in diesem Moment ein Priester eine Messe. Er feiert sie für einen Menschen, den er nie getroffen hat, für dessen Anliegen, eine kranke Mutter, einen Verstorbenen, einen Dank. Und für den Priester selbst bedeutet die kleine Gabe, die dahintersteht, manchmal das Einzige, wovon er in diesem Monat lebt. Mess-Stipendien nennt sich diese leise Tradition, und sie ist vielen unbekannt.
Was ein Mess-Stipendium wirklich ist
Ein Mess-Stipendium ist eine freiwillige Gabe, mit der jemand einen Priester bittet, eine heilige Messe in einem persönlichen Anliegen zu feiern. Dieses Anliegen kann sehr unterschiedlich sein. Manche Menschen bitten um ein Gebet für einen verstorbenen Angehörigen, andere für einen kranken Menschen, eine bevorstehende Operation, eine Prüfung, eine sichere Reise oder als Ausdruck von Dankbarkeit.
Nach Angaben von KIRCHE IN NOT geht es dabei nicht darum, eine Messe zu kaufen. Das Hilfswerk betont ausdrücklich, dass nach dem Verständnis der katholischen Kirche Gottes Gnade nicht käuflich ist. Mit der Gabe wird vielmehr die Bitte verbunden, dass der Priester die Messe in diesem persönlichen Anliegen feiert und dafür betet.
Für viele Menschen ist dieses Anliegen etwas sehr Persönliches. Sie kennen den Priester, der die Messe feiert, meist nicht und werden ihm vermutlich nie begegnen. Dennoch verbindet beide ein gemeinsames Gebet. Für den Stifter steht das persönliche Anliegen im Mittelpunkt, für den Priester gehört es zur täglichen Feier der Eucharistie.
KIRCHE IN NOT vermittelt solche Mess-Stipendien an Priester in zahlreichen Ländern der Welt. Jedes Jahr werden dem Hilfswerk rund 1,74 Millionen Mess-Stipendien anvertraut. Damit werden täglich rund 4000 heilige Messen in den Anliegen der Wohltäter gefeiert. Statistisch beginnt damit alle 18 Sekunden irgendwo auf der Welt eine solche Messe. Über 43’000 bedürftige Priester erhalten auf diesem Weg Unterstützung.
Eine Tradition, die bis zu den ersten Christen zurückreicht
Die Wurzeln des Mess-Stipendiums reichen bis in die Anfänge des Christentums zurück. Bereits die ersten Christen brachten zum Gottesdienst Gaben mit. Dazu gehörten Brot und Wein für die Feier der Messe, aber auch weitere Lebensmittel oder andere Güter, die den Priestern und den Armen zugutekamen.
Im Lauf der Jahrhunderte entwickelte sich daraus die heutige Form des Mess-Stipendiums. Die äusseren Formen haben sich verändert, der Grundgedanke blieb bestehen. Menschen verbinden ein persönliches Gebetsanliegen mit einer freiwilligen Gabe, gleichzeitig unterstützen sie den Lebensunterhalt eines Priesters.
Während Priester in der Schweiz und in einigen wenigen anderen Ländern durch Kirchensteuern finanziell abgesichert sind, sieht die Situation in vielen Teilen der Welt anders aus. Dort fehlt eine vergleichbare Finanzierung vollständig.
Warum es für viele Priester ums Überleben geht
In der Schweiz und in einigen wenigen anderen Ländern tragen Kirchensteuern wesentlich zur Finanzierung kirchlicher Aufgaben bei. In grossen Teilen Osteuropas, Afrikas, Asiens und Lateinamerikas fehlt eine solche Grundlage. Dort leben viele Priester unter sehr einfachen Bedingungen, und auch ihre Gemeinden oder selbst die Bischöfe verfügen oft nicht über genügend Mittel, um sie regelmässig zu unterstützen.

Nach Angaben von KIRCHE IN NOT sind Mess-Stipendien für zahlreiche Priester deshalb die einzige materielle Hilfe, die sie erhalten. Sie sichern nicht nur den eigenen Lebensunterhalt, sondern ermöglichen vielerorts auch die tägliche Seelsorge. Viele Priester verwenden einen Teil der Gaben zudem, um Menschen in ihrer Gemeinde zu unterstützen, die selbst kaum etwas besitzen.
KIRCHE IN NOT leitet die Mess-Stipendien nach eigenen Angaben zu 100 Prozent an die Priester weiter. Weltweit werden dadurch jedes Jahr mehr als 43’000 bedürftige Priester unterstützt.
Was mit der Gabe geschieht
Ein Mess-Stipendium dient in erster Linie dazu, dass ein Priester eine heilige Messe in einem bestimmten Anliegen feiert. Gleichzeitig trägt die freiwillige Gabe dazu bei, seinen Lebensunterhalt zu sichern.
Neben einzelnen Mess-Stipendien gibt es verschiedene Formen. Eine Messreihe umfasst mehrere Gottesdienste für dasselbe Anliegen. Ein Triduum besteht aus drei Messen, eine Novene aus neun und eine Gregorianische Messreihe aus dreissig aufeinanderfolgenden Messen.
Ein Anliegen, das man teilen kann
Ein Mess-Stipendium verbindet zwei Menschen, die sich wahrscheinlich nie begegnen. Auf der einen Seite steht ein Mensch mit einem persönlichen Anliegen. Auf der anderen Seite ein Priester, der dieses Anliegen in seine Messe aufnimmt und dafür betet.

Für den Stifter kann es ein Zeichen der Verbundenheit oder des Gedenkens sein. Für den Priester bedeutet dieselbe Gabe oft eine wichtige Unterstützung im Alltag. Nach Angaben von KIRCHE IN NOT begegnen sich auf diese Weise persönliches Gebet und konkrete Hilfe.
Wer ein persönliches Anliegen hat und diesen Weg nutzen möchte, kann bei KIRCHE IN NOT ein Mess-Stipendium stiften.



