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Warum die Schweiz diesen Sommer von grossen Waldbränden verschont blieb

Adrian Steiner
von
Adrian Steiner
27.08.2026
Waldbrand zwischen Bäumen als Symbol für die Waldbrandgefahr in der Schweiz
Trotz Trockenheit blieben grössere Waldbrände in der Schweiz diesen Sommer bisher aus.
Darum gehts
  • Trotz grosser Trockenheit blieben in der Schweiz grössere Waldbrände bisher aus.
  • Frühwarnsystem, frühzeitige Feuerverbote und die Topografie spielen dabei zusammen.
  • Rund 90 Prozent aller Waldbrände in der Schweiz werden von Menschen verursacht.

In Frankreich, Spanien und selbst in Deutschland und Belgien brannten diesen Sommer grosse Flächen. Die Schweiz kam trotz ausgeprägter Trockenheit glimpflich davon. Fachleute führen das auf ein System zurück, das seit Jahren aufgebaut wird, und auf eine Portion Glück. Denn auch gute Prävention kann nicht verhindern, dass ein Feuer entsteht.

Wie die Lage in Europa aussah

Der Sommer 2026 brachte in mehreren europäischen Ländern grosse Waldbrände. Ende Juli brannte es bei Bordeaux. Im Landesinneren Spaniens zerstörten die Flammen nahe Madrid mehr als zehntausend Hektar. Auch Deutschland und Belgien waren mit grossflächigen Feuern konfrontiert.

Die Schweiz hatte gleichzeitig keineswegs einen niederschlagsreichen Sommer. Seit dem Frühling herrscht laut dem Bundesamt für Umwelt insbesondere im Mittelland eine ausgeprägte Trockenheit. Die Niederschlagsmengen blieben deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt, während die Temperaturen häufig über den üblichen Werten lagen.

Auch bei den Gewässern sind die Folgen sichtbar. Auf der Alpennordseite registrieren viele Messstationen Niedrigwasserstände, wie sie statistisch nur alle zehn Jahre oder noch seltener auftreten.

Die Voraussetzungen für eine erhöhte Waldbrandgefahr waren damit vorhanden. Trotzdem blieben grosse Wald- und Flurbrände in der Schweiz bisher aus.

Warum Waldbrände in der Schweiz bisher klein blieben

Für Boris Pezzatti, Waldbrandforscher an der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL, ist die Entwicklung auch das Ergebnis jahrelanger Präventionsarbeit. Einen wesentlichen Unterschied zu vielen anderen Ländern sieht er in der frühzeitigen Erkennung von Gefahren und den darauf abgestimmten Massnahmen.

Bewaldete Berglandschaft in der Schweiz mit See und Alpen
Die Schweizer Topografie beeinflusst, wie sich Waldbrände ausbreiten und welche Gebiete gefährdet sind.

Das bedeutet nicht, dass die Schweiz vor grossen Bränden geschützt wäre. Trockenheit, hohe Temperaturen und leicht entzündbare Vegetation können auch hier Bedingungen schaffen, unter denen sich ein Feuer schnell ausbreitet.

Entscheidend ist deshalb unter anderem, wie früh Behörden eine erhöhte Gefahr erkennen und wie schnell auf einen Brand reagiert wird. Feuerverbote können dazu beitragen, vermeidbare Zündquellen zu reduzieren. Gleichzeitig müssen Einsatzkräfte vorbereitet sein, wenn trotz aller Vorsicht ein Feuer ausbricht.

Pezzatti misst der raschen Einsatzbereitschaft eine besondere Bedeutung bei. Je früher ein Brand entdeckt und bekämpft wird, desto grösser ist die Chance, ihn klein zu halten. Die bisher ruhige Waldbrandsaison ist aus seiner Sicht deshalb nicht allein günstigen Umständen zuzuschreiben. Eine Portion Glück gehört dennoch dazu.

Was das Frühwarnsystem leistet

Ein wichtiger Teil der Prävention beginnt bereits vor einem möglichen Brand. Das Bundesamt für Umwelt beurteilt von Montag bis Freitag jeweils am Morgen die Waldbrandgefahr in den verschiedenen Regionen der Schweiz.

Grundlage dafür ist der Forest Fire Weather Index. Das System berücksichtigt meteorologische Bedingungen und dient dazu, die aktuelle Brandgefahr einzuschätzen. Die Beurteilungen des Bundes werden anschliessend an die Kantone weitergegeben.

Die Kantone können diese Einschätzung übernehmen oder die Warnstufe aufgrund ihrer eigenen Beurteilung anpassen. Daraus entsteht die Gefahrenkarte, die auf waldbrandgefahr.ch veröffentlicht wird. Sie zeigt regional, wie hoch die aktuelle Waldbrandgefahr eingeschätzt wird.

Auf dieser Grundlage können die zuständigen Behörden weitere Schritte einleiten. Dazu gehören Feuerverbote und die Information der Bevölkerung. Gleichzeitig können Löschkräfte auf eine erhöhte Gefahr vorbereitet werden.

Für konkrete Massnahmen wie Feuerverbote sind die Kantone zuständig, teilweise übernehmen auch Gemeinden entsprechende Aufgaben. Das System verbindet damit die schweizweite Beobachtung mit regionalen Entscheidungen.

Zur Vorbereitung gehört auch die Ausbildung der Einsatzkräfte und Fachpersonen. Der Kanton Tessin arbeitet dabei regelmässig mit Expertinnen und Experten aus dem Mittelmeerraum zusammen. Dort gehören grosse Waldbrände seit Langem zu den Herausforderungen für Behörden und Feuerwehren.

Welche Rolle die Topografie spielt

Die Schweizer Landschaft kann die Brandbekämpfung erschweren und gleichzeitig die Ausbreitung eines Feuers begrenzen.

Problematisch sind insbesondere steile Hänge. Breitet sich ein Brand über eine Bergflanke aus oder erreicht er die Baumkronen, kann die Bekämpfung schwierig werden. Einsatzkräfte können solche Gebiete teilweise nur schwer erreichen, während sich das Feuer unter ungünstigen Bedingungen weiter ausbreitet.

Dicht bewaldeter steiler Hang unter blauem Himmel
Steile Hänge können die Bekämpfung eines Waldbrandes erschweren. Bergkanten wirken teilweise als natürliche Barrieren.

Die Topografie kann aber auch schützen. Viele Brände entwickeln sich abseits dicht besiedelter Gebiete. Dadurch sind Siedlungen und wichtige Infrastruktur nicht automatisch unmittelbar betroffen.

Hinzu kommen Bergkanten, die als natürliche Brandbarrieren wirken können. Sie unterbrechen zusammenhängende Flächen und können damit die weitere Ausbreitung eines Feuers erschweren.

Die bergige Landschaft ist deshalb kein genereller Schutz vor Waldbränden. Je nach Ort und Verlauf eines Feuers kann sie die Arbeit der Einsatzkräfte deutlich erschweren oder dessen Ausbreitung begrenzen.

Warum der Mensch der entscheidende Faktor bleibt

Das Wetter bestimmt wesentlich, wie trocken ein Wald ist und wie schnell sich ein Feuer ausbreiten kann. Ob ein Brand überhaupt entsteht, hängt in der Schweiz jedoch meistens mit menschlichem Verhalten zusammen.

Laut BAFU werden rund 90 Prozent der Waldbrände in der Schweiz direkt oder indirekt von Menschen verursacht. Häufig geht es um Unachtsamkeit oder Fahrlässigkeit.

Zu den typischen Auslösern gehören weggeworfene Zigarettenstummel und Feuer, die nicht vollständig gelöscht wurden. Auch Fahrzeuge können eine Gefahr darstellen. Wird ein Auto mit heissem Katalysator auf trockenem Untergrund im Wald abgestellt, kann die Hitze Vegetation entzünden.

Weggeworfener Zigarettenstummel auf dem Waldboden
Rund 90 Prozent der Waldbrände in der Schweiz werden direkt oder indirekt durch Menschen verursacht.

Eine besondere Schwierigkeit sind Glutnester. Ein Feuer, das an der Oberfläche gelöscht scheint, kann im Boden weiterschwelen. Unter ungünstigen Bedingungen kann daraus erst ein oder zwei Tage später erneut ein Brand entstehen.

Nicht jeder Waldbrand wird allerdings durch Menschen ausgelöst. Im Sommer kommen Blitzschläge als natürliche Ursache hinzu.

Die Zahlen der WSL zeigen zugleich, dass Waldbrände in der Schweiz keineswegs aussergewöhnlich sind. Zwischen 2000 und 2023 wurden durchschnittlich 118 Waldbrände pro Jahr registriert. Im Mittel waren jährlich 157 Hektar betroffen. Die meisten dieser Brände blieben kleinflächig.

Das erklärt auch, weshalb Prävention nicht nur bei aussergewöhnlicher Hitze relevant ist. Wenn ein grosser Teil der Brände durch menschliches Verhalten entsteht, können Feuerverbote und ein vorsichtiger Umgang mit möglichen Zündquellen das Risiko unmittelbar beeinflussen.

Was für kommende Sommer erwartet wird

Dass die Schweiz in diesem Sommer bisher von grossen Waldbränden verschont geblieben ist, bedeutet nicht, dass das Risiko langfristig gering bleibt.

Das BAFU geht davon aus, dass zunehmende Trockenperioden und Hitzewellen die Waldbrandgefahr erhöhen. Dabei richtet sich der Blick nicht nur auf den Hochsommer. Auch im Winter und im frühen Frühling können gefährliche Bedingungen entstehen.

In diesen Jahreszeiten hat die Vegetation ihre Entwicklung noch nicht aufgenommen. Liegt gleichzeitig kein Schnee, können Sonnenstrahlen den Waldboden direkt erreichen und ihn austrocknen. Föhn kann diese Bedingungen zusätzlich verschärfen.

Damit verändert sich auch die zeitliche Verteilung der Waldbrandgefahr. Perioden mit erhöhter Gefahr können ausserhalb jener Sommermonate auftreten, die traditionell besonders stark mit Waldbränden verbunden werden.

Pezzatti warnt deshalb vor der Vorstellung, das Problem lasse sich mit Prävention vollständig lösen. Frühwarnung, Feuerverbote und schnelle Einsätze können das Risiko reduzieren und dazu beitragen, entstandene Brände klein zu halten. Verhindern lassen sich Waldbrände damit nicht vollständig.

Auch einzelne Regenschauer bedeuten nach längerer Trockenheit noch keine nachhaltige Entspannung. Kurzzeitige Niederschläge können die Situation vorübergehend verbessern. Damit sich trockene Böden und Vegetation längerfristig erholen, braucht es über einen längeren Zeitraum grossflächige Niederschläge.

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